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Dr. Babett Forster

Dr. Babett Forster Kustodie
Leiterin der Kustodie
Kunsthistorisches Seminar Jena

Frommannsches Anwesen
Majorflügel Raum 203a
Fürstengraben 18
D - 07743 Jena

Tel.    +  49 36 41 ·  9 · 44 179
Fax.   +  49 36 41 ·  9 · 44 152

Sprechzeit im WS 2017/18: Do. 13:00 - 14:00 Uhr


 

seit 2014 Leiterin der Kustodie
2010-2014 Stellvertretende Kustodin am Kunsthistorischen Seminar Jena
08.2010 Promotion an der FSU Jena mit der Dissertation Fotografien als Sammlungsobjekte im 19. Jahrhundert. Die Alphons-Stübel-Sammlung früher Orientfotografien (Prädikat summa cum laude)
2005-2007 Promotionsstipendiatin der Landesgraduiertenförderung Thüringen
08.2003 Abschluss Magistra Artium Kunstgeschichte, Altorientalistik, Klassische Archäologie an der FSU Jena
2000 Praktikumssemester am Gabinete de Arqueología de la Oficina del Historiador de la Ciudad de La Habana, Cuba
1998 Studium der Kunstgeschichte und der Vorderasiatischen Archäologie an der Universität Basel
1996-2003 Studium der Kunstgeschichte, Altorientalistik und Klassischen Archäologie an der FSU Jena

 

Hier finden Sie eine Übersicht der von mir kuratierten oder mitkuratierten Ausstellungen
(Für weiter gehende Informationen bitte auf die Ausstellungstitel klicken.)
 
Kluge Köpfe - Beredte Bilder. Gelehrtenbildnisse aus 450 Jahren Universitätsgeschichte Jena
Stadtmuseum Jena (10.7. - 18.10.2015), zusammen mit Birgit Hellmann
hide&seek: aufbewahren, schützen, ordnen, verstauen, verstecken in den sammlungen
Ausstellungskabinett FSU Jena (12.5. - 12.6.2015), zusammen mit Andreas Christoph, Kerrin Klinger,
Michael Markert und Elisabeth Müller
Serielle Materialität. IMI Knoebel und Peter Roehr
Kunstverein Gera e.V. (12.7. - 23.8.2013), zusammen mit Claudia Tittel
Bilderfund - Frühe Orientfotografie gesammelt von Alphons Stübel (1835-1904)
Stadtspeicher Jena e.V. (4.3. - 8.5.2011)
Kunstgriffe. Aus der Kunstsammlung der Universität Jena
Jenaer Kunstverein e.V. (16.10. - 12.11.2010)

 

- Geschichte und Ästhetik der Fotografie
 - Frühe Orientfotografie
 - Gebrauchsweisen und Materialität der Fotografie
 - Genese und Fortbestand von Sammlungen im privaten und institutionellen Kontext
 - Objektkulturen; Objekte in Forschung und Lehre
 - Die Universität als Stätte der Kunst; Geschichte der Kustodie

 

Unter den folgenden Links finden Sie

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2017/2018

Panorama.Diorama.Projektion. Zur Kulturtechniken des Sehens
zusammen mit Dr. Claudia Tittel von der Bauhaus-Universität Weimar
Aufbaumodul

Neben dem Riechen, Tasten, Hören und Schmecken wird der Sehsinn immer als der intelligible Sinn beschrieben, der reflektierende Sinn, der uns die Welt erkennen und reflektieren lässt. Dabei folgt im Gegensatz zu den anderen vier Sinnen das Sehen vor allem strukturellen (An)Ordnungen. Ja, wohl kein Sinn wird so stark durch mediale Konstruktionen beeinflusst, die immer auch ein bestimmtes Sehen durch gegebene Blickregime erfordern und dabei unsere Wahrnehmung entscheidend prägen.
Im Seminar werden wir uns mit verschiedenen Dispositiven, d.h. Kulturtechniken des Sehens von den ersten Panoramen über die Dioramen bis zu den heutigen virtuellen 3D-Projektionen auseinandersetzen. Neben dem Lesen wichtiger medientheoretischer Texte (Panofsky, Manovich, Crary, Grau etc.) werden wir Exkursionen nach Bad Frankenhausen, ins Bauernkriegs-Panorama, nach Frankfurt am Main in die Diorama-Ausstellung unternehmen und besuchen das Planetarium in Jena.


Erich Kuithan. Ein Jenaer Maler der Moderne

zusammen mit Julia Kehmann, Museumspädagogin, und Susanne Bartsch, Sammlungsleiterin, beide Kunstsammlung Jena
Aufbaumodul

Der Jenaer Künstler Erich Kuithan (1875-1917) hat ein umfangreiches und vielfältiges Werk hinterlassen. Anlässlich seines 100. Todesjahres widmet ihm die Kunstsammlung Jena eine große Werkschau, die vor allem den Maler Kuithan in den Fokus rückt.
Im Lehrprojekt Erich Kuithan sollen in Vorbereitung auf die Ausstellung eigene Museumstexte zu den einzelnen Werken erarbeitet und während der Laufzeit eigene Konzepte zu Ausstellungsführungen entwickelt und angewendet werden. Damit bietet das Seminar nicht nur die Möglichkeit, sich kunsthistorische Inhalte zur Malerei um 1900 anzueignen, sondern auch die Basiskompetenzen des Studiums auf museumsbezogene Tätigkeiten anzuwenden und zu erproben.


Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2017

Im Herzen der Jenaer Universität: Ein Ausstellungsprojekt zur Aula des Hauptgebäudes
zusammen mit Dr. Michael Markert, FSU Jena und Prof. Andreas Kästner von der Bauhaus-Universität Weimar
Aufbaumodul

Die Universität Jena erhielt mit dem von Theodor Fischer errichteten und 1908 eingeweihten Hauptgebäude ein modernes und stattliches Zentrum. Einer der wichtigsten Räume des Neubaus ist bis heute die Aula, die während der vergangenen 100 Jahre jedoch prägende Umgestaltungen erfahren hat. Sie bildet das von außen nicht erkennbare Herz des Bauwerks. In der Aula fanden und finden Feier- und Ehrenveranstaltungen an; dort wurden die Universitätsjubiläen 1908, 1958 und 2008 begangen. Die Aula ist somit ein Ort, an dem universitäres Selbstverständnis ausgestellt wird. Das drückt sich auch in der jeweils spezifischen Ausgestaltung des Raumes aus, die sich im Verlaufe des 20. Jahrhunderts mehrmals wandelte. Die historische Abfolge der Aulagestaltung zu erarbeiten und sichtbar zu machen, ist Ziel des Seminars. Die Seminarergebnisse werden in einer Ausstellung im Universitätshauptgebäude im WS 2017/18 öffentlich präsentiert und im Internet dauerhaft sichtbar gemacht. Gemeinsam mit Studierenden des Studienganges MediaArchitecture der Bauhaus-Universität Weimar wird dazu eine Ausstellungskonzeption erarbeitet, die analoge und digitale Formate kombiniert und u. a. ein 3-D-Modell der Aula in ihren historischen Zuständen beinhaltet.


Zwischen Himmel und Erde. Landschaft als Thema der Fotografie

Aufbaumodul

Landschaft tritt uns in unterschiedlichen Disziplinen entgegen: sie ist ein zentraler Begriff der Erdkunde und Geografie, im Gartenbau und im Umweltschutz. Landschaft kann mit historischer, geopolitischer und künstlerischer Bedeutung aufgeladen werden. In der Kunstgeschichte entfaltete Landschaft als ästhetische Kategorie insbesondere seit dem 18. Jahrhundert eine große Wirkung. Seit der Antike als Abstraktum wird die Landschaft als Darstellung eines bestimmten Naturausschnittes aber schon in der Neuzeit bildwürdig und zur Gattung der Bildkünste erhoben. Entscheidend ist dabei die Abgrenzung zum Begriff der Natur: Erst durch die mit philosophischen Konzepten und ästhetischen Kategorien konzentrierte Betrachtung wird Natur zur Landschaft. Landschaft entsteht also demnach immer erst im Auge des Betrachters. Dass sich mit dem Terminus Landschaft immer auch ein Gegenentwurf zu einem gestalteten und bewohnten Wirtschaftsraum des Menschen verbindet, wird vor allem im beginnenden Industriezeitalter erheblich und bleibt auch im heute ausgerufenen Anthropozän wirkmächtig.
Auch in der Fotografie war seit jeher das Thema der Landschaft vertreten und wurde durch geläufige ästhetische Kategorien gesehen: im 19. Jahrhundert erschaute man mit großen Plattenkameras die erhabenen Landschaften des Yosemite-Nationalparks oder die romantisch aufgeladenen Gegenden des Heiligen Landes, um sich gegen Ende des Jahrhunderts den heimatlichen Landschaften zuzuwenden. In der fotografischen Moderne ist das Sujet verpönt; stattdessen beschäftigt man sich nun verstärkt mit dem urbanen und sozialen Raum. Vor diesem Hintergrund tritt dann die als vom Menschen veränderte Landschaft in den Fokus der Darstellung: fotografisch wird die Beziehung von Mensch und Umwelt untersucht oder die zerstörte Natur als Landschaft dokumentiert.
Im Seminar sollen bekannte Stationen dieser hier knapp umrissenen Geschichte der Landschaft als Thema der Fotografie ausführlich erläutert und diskutiert werden, um so auch einen Überblick über historische und stilistische Entwicklungen der Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts zu erlangen.

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2016/2017

Das fotografierte Selbst. KünstlerInnen im Porträt
Aufbaumodul

In der unlängst zu Ende gegangenen Ausstellung ICH in der Frankfurter Schirn, in der aktuelle künstlerische Positionen zum Selbstporträt gezeigt wurden, waren auch Arbeiten der Fotokunst vertreten. Seit der Geburtsstunde des Mediums gehört die Selbstdarstellung von Künstlerinnen und Künstler zum Gegenstandsbereich der neuen Bilder, und seit der Frühzeit der Fotografie gab es immer auch Auseinandersetzung mit dem eigenen Selbstverständnis als Fotokünstler, wie der Fotopionier Hippolyte Bayard mit seinem kreativen Selbstbildnis als Ertrunkener von 1840 eindrücklich bezeugt. Bis heute haben Fotografinnen und Fotografen die Palette des fotografierten Selbst stetig erweitert und neue Formen gefunden; gleichzeitig lässt sich feststellen, dass bestimmte Konzepte immer wieder aufgegriffen und neu definiert worden sind. Im Seminar wird diese Bandbreite vom 19. Jahrhundert (bspw. Bayard, Frith, Steichen) bis in die Gegenwart (u.a. Cahun, Sherman, Wall) anhand von Referaten vorgestellt und diskutiert. Das gibt die Möglichkeit, so auch Stilrichtungen der Fotografie und fotohistorische und -ästhetische Fragestellungen kennenzulernen. Das Seminar versteht sich demnach als Einführungsveranstaltung in die Fotografie, bietet aber ebenso Möglichkeiten für den Ausbau schon vorhandener Kenntnisse.

Focus East. Orientfotografie im 19. und 20. Jahrhundert
Aufbaumodul

Der heute umfassend und kritisch beleuchtete Terminus Orient besitzt auch in der Kunstwissenschaft eine lange und schillernde Anwendungs- und Rezeptionsgeschichte. Insbesondere im Verlauf des 18. Jahrhunderts kommt es zu einer regelrechten Orientmode insbesondere in den angewandten Künsten und die Gegenden des Vorderen Orients selbst werden zum Sehnsuchtsort der Künstler und Reiseziel des aufsteigenden Bürgertums. Die nahezu parallele Entwicklung von Tourismus und Fotografie lässt auch die Anzahl fotografische Bilder und die Sujets der Orientfotografie ansteigen: Menschen, Städte, Kulturen, Landschaften und Lebensräume der höchst unterschiedlichen Kultur- und Lebenswelten der Ländern des Vorderen Orients werden zu Bildthemen der zunächst vor allem europäischen, später dann auch einheimischen Fotografen. Ebenso divers wie die Motive waren denn auch die Funktion und der Gebrauch der Bilder: der Anspruch reichte vom Bildsouvenir für das Fotoalbum, über die carte de visite für die Jackentasche bis zur Illustration wissenschaftlicher Foliobände.
Das Seminar will diesen verschiedenen Darstellungs- und Gebrauchsweisen der Orientfotografie nachgehen und bietet die Möglichkeit, zwei Sammlungsbestände historischer Orientfotografie aus der Nähe zu betrachten.
Die Seminarsitzungen finden in der Regel 14tägig und teilweise in den Räumen der Kunstsammlung Jena statt.

 

Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2016

Die Universität als Stätte der Kunst
Aufbaumodul

Der Kunstpreis der Friedrich-Schiller-Universität ist als jährliches Ereignis sichtbares Zeichen dafür, dass die Jenaer Hochschule der künstlerischen Auseinandersetzung eine gewisse Bedeutung beimisst.
Universitäten waren und sind immer auch Orte der Kunst. Als Hort für Forschung und Lehre, als Stätte der Wissenschaft tragen Lehranstalten jedoch besondere Aspekte an Kunstwerke heran: ihnen wurden neben ihrem ästhetischen Wert immer auch Aufgaben der Legitimation, der Repräsentation oder der Propaganda zu geschrieben. Objekte der Kunst an Universitäten können Universitätsgeschichte spiegeln; sie können einer institutionellen Erinnerungskultur oder der akademischen Ausbildung dienen.
Jedoch sind Universitäten keine Museen. Im Unterschied zum Museum werden an der Kunststätte Universität eben nicht bestimmte Epochen, Stilrichtungen oder das Oeuvre eines bestimmten Künstlers dokumentiert. Gleichzeitig ähneln sich museales und universitäres Kunstsammeln in einigen der zentralen Aufgaben wie Bewahren, Erforschen und Vermitteln.
An der Universität Jena zeigte man nicht erst mit dem Ausloben eines Kunstpreises Interesse an Kunstwerken. Seit ihrer Gründung im Jahr 1558 (1548) wurden an der Salana Objekte der Kunst - seien es Gemälde, Grafiken, Skulpturen, Bauwerke - hinterlassen, eingefordert, gesammelt, manchmal eher zufällig akkumuliert oder durch Auftragsvergabe an Künstler*innen gezielt erworben. Diese unterschiedlichen Zugangsweisen sollen im Seminar anhand ausgewählter Beispiele eruiert und diskutiert werden. Das Seminar bietet so die Möglichkeit, die wechselhafte Kunstgeschichte an der Universität Jena in zahlreichen Kunstwerken und Beständen verschiedenster Kunstgattungen und Medien kennenzulernen.

Die Lehrveranstaltung richtet sich an Studierende der Kunstgeschichte, Volkskunde/Kulturgeschichte und der Geschichte. Die Seminarsitzungen finden i.d.R. 14tägig statt.


Fotobücher im 20. Jahrhundert

Aufbaumodul

Die Geschichte des Fotobuchs beginnt zwar früh, doch als Kunstwerk erlangte es erst spät Aufmerksamkeit. Gemeinhin gilt William Henry Fox Talbots The Pencil of Nature von 1844 als frühestes Beispiel - auch wenn die Salzpapierabzüge nicht als Buch, sondern viel mehr als Loseblattsammlung verbreitet wurden. Doch erst in den letzten zwanzig Jahren avancierte das Fotobuch zum begehrten Sammelobjekt und reizvollen Forschungsgegenstand.
Bereits einige der Piktorialisten um 1900 verbreiteten ihre als Kunst verstandenen Fotografien in Buchform. Erstmals erlaubt der technische Fortschritt die qualitätvolle Vervielfältigung des einzelnen Abzuges in Verbindung mit Text, so dass ab den 20er Jahren das Buchformat - neben dem Fotoessay, vor allem produziert für die aufkommenden Illustrierten - ein anerkanntes Verbreitungsmedium für die Fotografien des Neuen Sehens wird. Mit dem endgültigen Aufstieg der Fotografie zur Kunst und ihrem Einzug ins Museum ab den 1960er Jahren stellt der Ausstellungskatalog eine zunehmende Konkurrenz zum Fotobuch dar, aus der heraus sich dann sogar Hybridformen bilden können: So, wenn im Rahmen einer Fotoausstellung Kataloge entstehen, die aber eine Reminiszenz an das klassische Fotobuch bilden, wie bspw. das 2008 von Ute Eskildsen und Robert Frank publizierte Fotobuch Paris.
Heute versuchen die verfügbaren Anthologien (Heiting/Jaeger 2001, Parr/Badger 2004, Koetzle 2011) die (immer noch wachsende) Vielzahl an Foto- und Fotokunstbüchern chronologisch, typologisch und motivisch zu ordnen und damit vor allem für potentielle Sammler*innen aufzubereiten. Auch für die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Objekt Fotobuch sind diese Publikationen für eine Gegenstandsbetrachtung hilfreich.
Im Seminar sollen Analysetechniken für das Fotobuch vorgestellt und an ausgewählten Werken im Referat diskutiert werden, um so methodischen Zugang zum Forschungsgegenstand und einen ersten Ein- und Überblick über die Fülle unterschiedlichster Fotobücher des 20. Jahrhunderts zu erhalten.


Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2015/2016

Fotografien als Sammelobjekte im 19. Jahrhundert
Aufbaumodul

Die Universität Jena besitzt mit der Alphons-Stübel-Sammlung früher Orientfotografie eine umfangreiche Fotosammlung aus dem 19. Jahrhundert. Der von einem Privatsammler zusammengetragene Bestand bietet die einmalige Möglichkeit, historische Fototechniken, fotografische Gebrauchsweisen und Sammlungspraxis an Originalen kennenzulernen und zu diskutieren.
Methodisch soll dabei objektbiografisch, kunst- und kulturwissenschaftlich gearbeitet und grundlegende Kenntnisse auf den Gebieten der Foto- und Sammlungsgeschichte erlernt werden.

Das Seminar wird auch im Rahmen des ASQ-Moduls "Sammlungstechnik" angeboten - Studierende aller Fachrichtungen sind herzlich willkommen!

Die Seminartermine sind:
23.10.; 06.11.; 20.11.; 04.12.; 18.12.2015; 15.01.2016; 29.01.; 05.02.


Theoretische Positionen zur Fotografie im 20. Jahrhundert

Aufbaumodul

Als Nachfolger einer Veranstaltung, die sich mit Texten aus der Frühzeit der Fotografie beschäftigte, liegt in diesem Lektüreseminar nun der Fokus auf Positionen des 20. Jahrhunderts. Seit dem Aufstieg der Fotografie zur Kunstform am Ende des 19. Jahrhunderts werden die Fotografie und das Fotografische unter neuen Blickwinkeln betrachtet, aber auch kritischer hinterfragt. Vor allem bricht sich ab den 1970/80er Jahren eine Fotokritik breite Bahn, die sich einer fotografischen Bilderflut und einem maßlosen Bilder(miss)brauch erwehren will. Ein weiterer Themenbereich des Seminars wird sich mit dem so genannten postfotografischen Zeitalter beschäftigen und den Versuchen einer Einordnung der digitalen Bilder nachgehen.
Ziel des Lektüreseminars ist es, anhand zentraler Texte einen Überblick über die Theoriegeschichte der Fotografie zu erhalten, und prominente Positionen zur Geschichte und Wesensart der Fotografie zu diskutieren.

Die Veranstaltung versteht sich als Aufbauseminar und richtet sich insbesondere an Studierende mit Grundkenntnissen in der Fotogeschichte.


Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2015

Kluge Köpfe - Beredte Bilder. Das Gelehrtenbildnis in Geschichte und Gebrauch
Aufbaumodul

Seit der Gründung der Hohen Schule in Jena haben Professoren ihr Bildnis der Lehranstalt zur Verfügung gestellt. Die Tradition setzt ein in den Gründungsjahren, findet während der ersten Jahrzehnte der Alma Mater starken Anklang und hält sich auch nach der Zäsur des Dreißigjährigen Krieges, um dann ab etwa 1700 deutlich an Bedeutung zu verlieren. Neue Impulse erhält der Brauch durch die moderne Porträttheorie, im 19. Jahrhundert wird er jedoch eher sporadisch aufrechterhalten. In der Zeit des Sozialismus wird die Bildnispolitik strukturierter betrieben. Besondere Aufmerksamkeit erhält die Tradition dann erneut Ende der 1990er Jahren durch das Engagement des Lehrstuhlinhabers Prof. Dr. Franz-Joachim Verspohl, der mit einem nicht unumstrittenen Kunstgriff das Auftragswerk Rektorenbildnis wieder in den Fokus einer breiten Öffentlichkeit rückt.

Die heute von der Kustodie betreute Porträtsammlung umfasst ca. 300 Bildnisse und ist aufgrund der beinahe vollständigen Überlieferung von herausragender universitätsgeschichtlicher Bedeutung ist. Zentraler Inhalt des Seminars werden die kunsthistorische Analyse ausgewählter Werke und deren universitätshistorische Einordnung sein, die in Form von Präsentationen und Arbeitsjournalen von den Teilnehmenden zu erarbeiten sind. Die Veranstaltung hat zudem das Ziel, einen praktischen Umgang mit Kunstwerken zu lernen, Verständnis für institutionelle Sammlungskonzepte zu entwickeln sowie einen Überblick über den akademischen Kunstbesitz der Universität Jena und damit auch Einblicke in kuratorische Tätigkeiten zu geben.


The Family of Man. Idee, Umsetzung und Rezeption einer Fotoausstellung

Aufbaumodul

Vor 60 Jahren, im Januar 1955, wurde die bis heute erfolgreichste und bedeutsamste, aber auch umstrittene Fotoausstellung in New York, im Museum of Modern Art eröffnet. The Family of Man vereinte über 500 Aufnahmen, die von bekannten Fotografen, aber auch von Amteuren stammten, um in einer elaborierten Ausstellungsarchitektur und in neuartiger Präsentationsweise Grundsätzlichkeiten und Phänomene des menschlichen Daseins allgemeingültig zu erklären und das Einssein der Menschheit zu veranschaulichen. Für den Urheber und Kurator der Ausstellung, Edward Steichen (1879-1973), war die Fotografie DAS Aufzeichnungsgerät, um "dem Mensch den Mensch zu erklären und ihm zur Selbsterkenntnis zu verhelfen".
Dafür wanderte die Ausstellung in den Nachfolgejahren in zahlreiche Städte und Ausstellungsorte weltweit, um im Zeitalter des Kalten Krieges und der weltweiten Kriegsschauplätze die Friedensbotschaft von der Einheit der Menschen zu propagieren.

Im Seminar sollen Konzeption und Umsetzung sowie der Entstehungskontext und die Rezeption der Ausstellung nachgezeichnet und anhand fotohistorischer und -ästhetischer, kulturwissenschaftlicher und politischer Fragestellungen analysiert und diskutiert werden.


Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2014/2015

Kunstfotografie um 1900
Aufbaumodul

Kunstfotografie - oder auch piktoralistische oder bildmäßige Fotografie - war ab 1885 für etwa 25 Jahre die dominierende, international verbreitete, fotografische Bildsprache, die sich mit Namen wie Peter Henry Emerson, Heinrich Kühn, Alfred Stieglitz, Robert Demachy oder Gertrude Käsebier, aber auch mit Sammlern und Kuratoren wie Ernst Juhl und Alfred Lichtwark verbindet.

Von den Vertretern des Neuen Sehens ab den 1920er Jahren als Geschmacksverirrung gescholten, wurde die Kunstfotografie lange Zeit auch in der fotohistorischen Forschung marginalisiert. Mitbestimmend dafür war auch die Rezeption der Benjamischen Texte, in denen er den Piktoralisten vorwarf,  lediglich darum bemüht zu sein, in ihren Aufnahmen die Aura früher Fotografien durch die Verwendung malerischer und grafischer Mittel vorzutäuschen.  

Doch ist die einseitige Betrachtung der künstlerischen Fotografie als fotoästhetische Sackgasse heute nicht mehr gängig. Noch in diesem Jahr soll das Piktoralismus-Portal (http://piktorialismus.smb.museum), das aus einem Forschungsprojekt des Museums für Fotografie und der Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek - Staatliche Museen zu Berlin hervorgegangen ist, an den Start gehen.

Das Seminar betrachtet verschiedene Fotografen und fotografische Vereinigungen, maßgebliche Ausstellungsprojekte und Texte aus der Zeit um 1900. Für die praktische Anschauung werden Seminarsitzungen auch in der im Dezember eröffneten Ausstellung Wozu Bilder? Gebrauchsweisen der Fotografie im Stadtmuseum Jena stattfinden.


LICHT.DRUCK.WERKSTATT. Grafische und fotografische Künste
Aufbaumodul

Kupferstich, Radierung, Holzstich und Lithografie, Lichtdruck und Heliogravüre - all dies sind Begriffe aus der Druckgrafik, die als Teilgebiet der Grafik vor allem die Funktion hat, ein Original zu vervielfältigen und es damit anderen Gebrauchsweisen zugänglich zu machen. So ist auch der Grafikbestand der Kustodie zu erklären, der wohl seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts für die universitäre Lehre angelegt worden ist.

Im Seminar werden die technischen Verfahren zwischen Druckgrafik und Fotografie einführend erläutert und die in der Kustodie befindlichen Bestände entsprechend eingeordnet. Zentral wird dabei die Praxis künstlerischer Arbeit in Druckwerkstatt und Fotolabor sein. Außerdem wird das Verhältnis von reproduzierendem Nutzen und künstlerischem Eigenwert der genutzten technischen Verfahren an historischer Beispielen aus der Sammlung der Kustodie diskutiert.

Das Seminar beginnt am 24.10. und findet 14tägig statt. Außerdem sind Exkursionen nach Weimar und Leipzig geplant.


Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2014


Paris im Fotobuch
Aufbaumodul

Sammeln, Sammlung, Sammler. Ein Lektüreseminar zur Sammlungstheorie
Aufbaumodul

Bereits 1994 konstatierte Ingo Herklotz die wachsende Popularität der Sammlungsforschung auf dem Gebiet der Kunstgeschichte: "Wohl noch nie hat ein Spezialgebiet innerhalb des Fachs sich derart explosionsartig verbreitet, wie es sich für die Sammlungsgeschichte während der letzten Jahre beobachten läßt." (Herklotz 1994, 117) Dabei stellen Arbeiten zum neuzeitlichen Sammeln das Gros der Forschungsliteratur, was einige Jahre später die Autoren des Sammelbands Sammler-Bibliophile-Exzentriker zu der Feststellung bringt: "Untersucht man die Fülle der Publikationen zu diesem Thema näher, so findet man zunächst eine erstaunliche, um nicht zu sagen: einseitige Konzentration auf einen historischen Typus der Sammlung: die Kunst- und Wunderkammer der frühen Neuzeit" (Assmann/Gomille/Rippl 1998, 7). Demgemäß orientieren sich die meisten Darstellungen an der Zäsur 1800 und 'verlieren' das Interesse an der nun folgenden Zeit, was wohl auch der nun existierenden diffusen Vielfalt der Phänomene geschuldet ist. Dagegen sind Abhandlungen zum Sammeln neuer Kunst und Grafik im 19. Jahrhundert, zur Entstehung neuer Sammelge­biete im Zuge der Nationalstaatenbildung und der Gründung der Museen reichlich vorhanden, während die parallel existierende, breit gefächerte Sammelkultur meist vergleichbar lapidar wie bei Pomian zusammengefasst wird: "Vom neunzehnten Jahrhundert an übernehmen Sammlungen von Briefmarken und ähnlichen Dingen [die] Rolle, für ihren Besitzer ein Instrument intellektueller oder kultureller Bereicherung zu sein oder ihm einfach Vergnügen zu bereiten und den Mittelpunkt seines gesellschaftlichen Lebens zu bilden." (Pomian, 1994, 120). Im Seminar sollen anhand ausgewählter Texte, von denen einige als durchaus kanonisch bezeichnet werden, sowohl klassische als auch unorthodoxe Positionen zum weiten Forschungsgebiet Sammeln diskutiert werden.


Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2013/2014


Materialitäten der Fotografie

Aufbauseminar


Zum vergleichenden Blick: Objekte und ihre Reproduktionen in der Kunstgeschichte
Aufbauseminar

Kunstwissenschaftler_innen betrachten. Sie betrachten, beschreiben, interpretieren Objekte vor allem nach ihrem ästhetischen Gehalt. Sie fragen aber auch nach der Objekthaftigkeit der Dinge, der Kunstwerke. Wie ist ein Objekt? Wie ist seine Beschaffenheit als Objekt? Eine für die Kunstwissenschaft überaus wichtige Frage, die jedoch oft mit einer paradoxen Situation verbunden ist: Denn oft genug bilden lediglich Reproduktionen und Digitalisate mehr oder weniger guter Qualität die Basis der kunsthistorischen Betrachtung.

Heute bietet vor allem das Internet - und das ist nicht nur medienkritisch zu verstehen, sondern durchaus auch positiv - den ungemein leichten Zugang zum Bild bzw. zu seinem Abbild. Eine mögliche Folge dieser Entwicklung liegt im Verlust des Verständnisses für das Objekt selbst.

Darauf reagierte im letzten Jahr die von der Mercator-Stiftung ausgeschriebene Initiative SammLehr - an Objekten Lehren und Lernen, die sich um die 'Reanimation' der universitären Sammlungen - und damit um die Objekte - bemüht. In der Ausschreibung wurde festgestellt: "Durch den verstärkten Einsatz neuer Medien, wie digitalen Formaten und Animationen, entfernen sich Lernende und Lehrende immer weiter von den Untersuchungsgegenständen."

Genau mit diesem Darstellungsverhältnis zwischen Objekt und Reproduktion, dem Einsatz des Abbildes als Lehrmittel in der Kunstwissenschaft und seiner Akkumulation in der Universitätssammlung wird sich das Seminar beschäftigen. Leitfragen sollen sein: Wie verhalten sich Objekthaftigkeit und Reproduktionscharakter zueinander?  Was sind universitäre Lehrmittelsammlungen? Wie und warum sind diese entstanden?


Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2013


Bildkontexte. Fotografien als Ausstellungsobjekte
Aufbauseminar

Als die Fotografie 1839 ins Licht der Öffentlichkeit trat, waren vielen Beteiligten die Bedeutung und die Tragweite des neuen Bildverfahrens bewusst, doch blieb die Frage nach dem Kunstcharakter der Fotografie noch etliche Jahrzehnte mindestens umstritten - wie auch ihr 'Ausstellungswert'. Als Charles Baudelaire 1859 in seiner berühmt gewordenen Salonkritik die Fotografie als Ausdruck des Wahns von Sonnenanbetern verurteilte, konnte er die gezeigten Daguerreotypien und Papierabzüge nur getrennt vom übrigen Kunstausstellungsareal und nicht ohne dafür einen gesonderten Eintrittspreis zu zahlen, besichtigen.

Erstmals ins expositionelle Licht gelangt die Fotografie durch ihre piktoralistische Stilrichtung um 1900, um in den folgenden Jahren als Ausstellungsthema kontinuierlich an Geltung zu gewinnen. In der heutigen Zeit sind historische wie gegenwärtige Fotoarbeiten konvenierte Museumsobjekte und Teil großer und gutbesuchter Ausstellungen, aufgestiegen in den Rang der Eventkultur.   

Anhand einflussreicher historischer Fotoausstellungen, wie Film und Foto (1929) oder The Family of Man (1955), und aktueller Präsentationsformen (World Press Photo) will das Seminar diesen Aufstieg bis in die Gegenwart nachzeichnen und die kuratorischen Kontexte beleuchten.


Serielle Materialität(en): IMI Knoebel und Peter Roehr. Kuratorisches Arbeiten mit Objekten aus der Kustodie
Aufbaumodul/Praxismodul

Die Kustodie der Friedrich-Schiller-Universität Jena verwaltet und betreut über 1300 Kunstwerke und ist in einer für deutsche Hochschulen einzigartigen Konstellation direkt an das Kunsthistorische Seminar angebunden. Somit ist eine Einbindung der Bestände der Kustodie in die Lehre nicht nur sinnvoll, sondern dringend notwendig. Gleichzeitig besteht eines der Zielarbeitsfelder für KunstwissenschaftlerInnen im Umgang mit Sammlungsbeständen bzw. in der Aufgabe, deren Kunstobjekte immer wieder aktuell in den historischen Kontext zu stellen. Dies soll anhand einer Ausstellung zum Thema "Serielle Materialität(en). IMI Knoebel und Peter Roehr" umgesetzt werden, die in Zusammenarbeit mit dem Kunstverein Gera e.V. und Studierenden der FSU konzipiert und durchgeführt werden soll.

Eine der Hauptaufgaben des Seminars und der daraus folgenden Ausstellung soll es also sein, einen wichtigen Werkbestand der zeitgenössischen Kunstsammlung der FSU Jena aus ihrem Depot herauszuholen und mit anderen wichtigen Werken zeitgenössischer Kunst in Beziehung zu setzen und damit auch das Oeuvre des bedeutenden deutschen Künstlers IMI Knoebel in einem größeren Zusammenhang darzustellen.

Mit diesem Seminar wird die Möglichkeit geboten, das kuratorische Arbeiten anhand ausgewählter Objekte der Kustodie zu erlernen und zu erproben. Inhalt des Blockseminars ist die Erarbeitung einer fachwissenschaftlichen Bibliografie zur Einführung in objekt- und sammlungsbezogenes Arbeiten. Weitere Aufgaben sind: Erarbeiten eines Ausstellungskonzeptes, das Erlernen der praktischen Umsetzung dieses, das Erlernen der erforderlichen administrativen Tätigkeiten sowie das Erstellen eines Zeit- und Finanzplans, Erstellen der Konzeption des Ausstellungskatalogs sowie dessen Umsetzung.


Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2012/2013

Methoden der Kunstgeschichte an Beispielen aus dem Werk Diego Velázquez'
Basismodul

Wer sind die Las Meninas? Was ist ein bodegón? Warum heißt es siglo de oro?

Diese und weitere Fragen zur spanischen Barockmalerei skizzieren die zeitgeschichtliche Folie der Veranstaltung. Als Pintor del Rey am Hofe Philipps IV. von Spanien hat Diego Velázquez (1599-1660) ein umfangreiches und vielschichtiges Werk hinterlassen, das sich aufgrund seiner inhaltlichen Vielschichtigkeit  und unterschiedlichen Kontexte hervorragend für die Vermittlung kunstwissenschaftlicher Methodik eignet. Dementsprechend werden Themenfelder wie Hof- und Alltagskunst, religiöse und profane Sujets, Porträtmalerei und Historiendarstellungen zur Sprache kommen. 

Im Seminar sollen  Kenntnisse der verschiedenen klassisch-methodischen Ansätze und grundlegendes Wissen zu Maler und Werk sowie zum spanischen Barock als eine für die Kunst der Neuzeit bedeutendsten Epoche vermittelt werden.


Vom Zeichenstift der Natur zum Neuen Sehen. Ein Lektüreseminar zur frühen Fotografie
Aufbaumodul

Wie Gott in der Bibel befahl: "Es werde Licht", so waren die  Anhänger der neuen Bilder kurz nach Erfindung der Fotografie begeistert von der Vorstellung, den Dingen der Welt befehlen zu können, "Werdet Bild!" Dass diese Euphorie  nicht von allen geteilt wurde, und dass sich daraus im 20. Jahrhundert eine polemische Fotokritik entwickelte, ist heute allgemein bekannter Teil der Fotografiegeschichte. Das Lektüreseminar legt den Fokus auf die ersten hundert Jahre des neuen Mediums, um einen Überblick über die frühen fototheoretischen Texte zu geben, die nicht nur Fürsprache und Gegnerschaft skizzieren, sondern auch versuchen, die Lichtbilder ihrem Wesen nach zu erfassen und im zeitgenössischen Kunst- und Kulturkontext zu verorten. Darüber hinaus werden natürlich auch optisch-chemische Verfahren, Formate und Sujets der frühen Fotografie behandelt werden.


Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2012


Ein stattliches Haus! Das Universitätshauptgebäude in Jena
Aufbaumodul

Die Zeitschrift Der Kunstwart bejubelte 1908 das eben fertiggestellte Universitätsgebäude in Jena als "das neue Heim der allen Deutschen so lieben Alma Mater", und der Kunstkritiker Max Osborn beginnt seine im selben Jahr erschienene Schrift mit dem Ausruf: "Sie haben gebauet ein stattliches Haus!"

Stattlich, ohne Zweifel, doch sicherlich vermag nicht jeder das Urteil gleich zu teilen, ist man doch schnell - und dies besonders als Neuling - auf der Suche nach einem Seminarraum oder Hörsaal in den Fluren, Treppenhäusern und Seitenflügeln des Gebäudes oft verloren. Ebenso kann man sich bei der Betrachtung der baulichen Details und Schmuckelemente verlieren, die nicht nur Anspielungen an den Vorgängerbau sind, sondern auch als Verweis auf die große stadtgeschichtliche Bedeutung der Universität gelesen werden können. Als Architekt zeichnete Fischer aber auch für die künstlerische Ausgestaltung der Innenräume verantwortlich, forcierte die Beauftragung moderner Künstler wie Ferdinand Hodler oder griff auf bereits vorhandene Gemälde aus dem universitären Kunstbestand zurück.

Im Seminar soll dementsprechend der ab 1905 an die Stelle des alten Stadtschlosses errichtete Bau, seine Architektur in ihrer Gesamtheit und en détail, seine künstlerische Ausgestaltung betrachtet und damit zugleich ein bedeutender Teil der Jenaer Universitätsgeschichte thematisiert werden.

Max. 15 Teilnehmer, die Platzvergabe erfolgt manuell.


Über Fotografie - Lektüreseminar zum Essayband Susan Sontags
Aufbaumodul

Als im Jahr 1977 das Buch On Photography der amerikanischen Schriftstellerin Susan Sontag (1933-2004) erschien, löste es in den USA und in Westeuropa innerhalb der Intelligenzija wahre Begeisterungsstürme aus und sollte nicht nur die Fototheorie erheblich beeinflussen, sondern auch die Fotokritik auf Jahrzehnte grundlegend prägen.

So rezensierte William H. Gass noch im selben Jahr: "Every page of On Photography raises important and exciting questions about its subject and raises them in the best way". Gleichzeitig erhob sich ein Sturm der Entrüstung, besonders seitens der professionellen Fotografen, die Sontags Aufsätze als "anti-photographic" kritisierten oder mit fotokünstlerischen Arbeiten - wie bspw. Robert Heinecken - auf ihre Thesen reagierten.

Dennoch, oder gerade deshalb, wurde Sontags Essayband zu einem der kraftvollsten und bis heute eminenten Beiträge zur Geschichte und Theorie der Fotografie.

Ähnlich den beinah zwanghaft verwendeten Bartheschen Zitaten, dürfen auch ihre Statements zu "ästhetische[n] und moralische[n] Probleme[n], die durch die Allgegenwart fotografischer Abbildungen aufgeworfen werden" (Sontag 1977) in keinem Werk zur Fotografie fehlen. Ihr nicht nur im Aufbau essayistisch geformter Text besitzt die Stärke eines brain storming auf hohem Niveau und leistet eben gerade auch deshalb einem scheinbar leichten Zitatenzugriff Vorschub.

Im Seminar soll der Text gelesen und entsprechend seiner Inhalte, fotohistorischen Querverweise und Zitierungen analysiert werden. 

Das Seminar richtet sich an Studierende mit fototheoretischen Vorkenntnissen.


Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2011/2012


Picturing America. Amerikanische Fotografie nach 1945

Aufbaumodul

"Photography is the jazz of the visual arts". Mit diesem Statement aus dem Jahr 1997 beschreibt Sean Wilentz euphorisch den amerikanischen Beitrag zur Geschichte und Ästhetik der Fotografie. Man muss kein Jazz-aficionado sein, um die Analogie zu verstehen: nach Ansicht des Historikers bestimmt die Fotografie wie kein anderes Medium die visuelle Kultur der USA. Ja mehr noch, sie scheint - wie auch die Jazzmusik - ein uramerikanisches, wenn gleich in Europa geborenes, auf viele andere Kunstformen ausstrahlendes Ausdrucksmittel zu sein.

Bezieht sich Wilentz vor allem auf die fotografische Bildwelt ab 1900, lässt sich sein Statement durchaus auch auf die Zeit nach der Zäsur des Zweiten Weltkrieges erweitern, in der - wie auch in den Klassischen Bildkünsten - wesentliche Strömungen der Fotokunst in den USA ausgebildeten.

Das Seminar will sich Ansätzen und Fragen zur american photography widmen: Was versteht man unter amerikanischer Fotografie? Gibt es diese überhaupt bzw. wann beginnt sich diese Zuschreibung aufzulösen?  Nach welchen Zugriffsarten lässt sich ihr Wesen erfassen: nach Sujet (Landschaft, Porträt, Stilleben), chronologisch nach Meisterschaft (Frank, Arbus, Sherman, Wall, LaChapelle), nach Modus (straight und staged photography), nach Funktion und Rezipient (Werbefotografie, Dokumentarfotografie, Atelierfotografie)?


Lehrveranstaltungen im Sommersemester 2011


Custodia Salanae - Arbeiten mit Objekten aus der Kunstsammlung der Universität Jena
Aufbaumodul

Viele Studierende der Kunstgeschichte absolvieren ihr Studium am Kunsthistorischen Seminar, ohne den Zusatz und Kustodie wahrzunehmen, geschweige denn, sich mit dieser Einrichtung näher auseinanderzusetzen. Die hier angekündigte Veranstaltung möchte deshalb im Rahmen des Praxismoduls die Möglichkeit geben, einmal einen genaueren Blick auf die Geschichte, Funktion und Bedeutung der Kustodie in Jena zu erhalten.

Die Kustodie betreut - die Universitätsbauten nicht mit gerechnet - über 1300 Kunst- und Kulturobjekte, die sich an unterschiedlichen Standorten innerhalb der Universität befinden und von denen die knapp 300 Bilder umfassende Porträtsammlung von herausragender universitätsgeschichtlicher Bedeutung ist.

Zentraler Inhalt des Seminars wird das Arbeiten mit Originalen, vor allem mit Bildnissen aus der universitas magistrorum, darstellen, um fachwissenschaftliche Fähigkeiten im Umgang mit Objekten,  grundlegende Kenntnisse zum Sammeln, Bewahren und Präsentieren, Geschichte und Entwicklung des institutionellen Kunstsammelns. praktischer Umgang mit Kunstwerken, museale Arbeitsbereiche

Die Veranstaltung hat das Ziel, einen praktischen Umgang mit Kunstwerken zu lernen, Verständnis für institutionelle Sammlungskonzepte zu entwickeln, einen Überblick über den akademischen Kunstbesitz der Universität Jena und damit einen Einblick in die Arbeitsgebiete der Kustodie zu geben.

Es wird die regelmäßige und aktive Teilnahme gefordert, Voraussetzung für das Bestehen des Seminars ist die erfolgreiche Präsentation in Form eines Seminarreferats sowie die Abfassung einen Kurztext für die Rubrik Objekt des Monats des Internetauftritts Museen und Sammlungen.












 

Monografien
Fotografien als Sammlungsobjekte im 19. Jahrhundert. Die Alphons-Stübel-Sammlung früher Orientfotografien, Weimar 2013. [Dissertation]
 
Herausgeberschaften
Belichtete Vergangenheit. Fotografie und Archäologie, Themenheft der Fotogeschichte. Beiträge zur Geschichte und Ästhetik  der Fotografie, hg. Anton Holzer, Heft 144, Sommer 2017
Sammlungsdidaktik. Die 'nicht mehr neuen' Medien in den Universitätssammlungen, Weimar 2016. (zusammen mit Kerrin Klinger und Michael Markert)
Kluge Köpfe - Beredte Bilder. Gelehrtenbildnisse aus 450 Jahren Universitätsgeschichte Jena, Köthen 2015. (zusammen mit Birgitt Hellmman) [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung]
Wertvoll. Objekte der Kunstvermittlung: Gipsabgüsse, Fotografien, Postkarten, Diapositive, Weimar 2015.
Serielle Materialität. Imi Knoebel und Peter Roehr, Jena 2013. (zusammen mit Claudia Tittel) [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung]
Kunstgriffe. Aus der Kunstsammlung der Universität Jena, Gera 2010. [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung]
 
Aufsätze
 "Die erste vollständigere Aufnahme der Monumente". Der frühe fotografische Markt im Spiegel der Alphons-Stübel-Sammlung in Jena. In: Das unschuldige Auge. Orientbilder in der frühen Fotografie, herausgegeben von Manfred Luchterhandt, Lisa Marie Roemer und Verena Suchy, Petersberg 2017, S. 23-32.
"Aktivieren: Die 'neue' Lehrmittelsammlung der Kustodie". In: Babett Forster/Kerrin Klinger/Michael Markert (Hgg.): Sammlungsdidaktik. Die 'nicht mehr neuen' Medien in den Universitätssammlungen, Weimar 2016, S. 13-25.
"Bildnis und Inschrift. Zum Bild-Text-Verhältnis im Gelehrtenporträt". In: Babett Forster/Birgitt Hellmann (Hgg.): Kluge Köpfe - Beredte Bilder. Gelehrtenbildnisse aus 450 Jahren Universitätsgeschichte Jena, Köthen 2015, S. 19-34. 
"Wilhelm Reiß, Alphons Stübel und das Jahr 1881". In: Mannheimer Geschichtsblätter 25 (2013), S. 91-102.
"Die Alphons-Stübel-Sammlung früher Orientfotografien". In: Ariane Lorke/Helmut G. Walther (Hgg.): Schätze der Universität. Die wissenschaftlichen Sammlungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena 2009, S. 87-92.
Reisefotografien als Sammlungsobjekte des 19. Jahrhunderts. Die Alphons-Stübel-Sammlung früher Orientfotografien 1857 - 1896. In: Fotogeschichte, H. 110, Winter 2008, S. 71.
"Ansichten von Giza. Eine antike Kulturlandschaft im Reisebild des 19. Jahrhunderts". In: Pyramiden und Sphinx - Giza in historischen Fotografien. (im Druck) [Katalog zur gleichnamigen Ausstellung]
 
Vorworte, Einleitungen u.ä.
"Sammlungsdidaktik. Zum Umgang mit den 'nicht mehr neuen' Medien". In: Babett Forster/Kerrin Klinger/Michael Markert (Hgg.): Sammlungsdidaktik. Die 'nicht mehr neuen' Medien in den Universitätssammlungen, Weimar 2016, S. 7-11. (zusammen mit Kerrin Klinger und Michael Markert)
"Einführung". In: Babett Forster/Birgitt Hellmann (Hgg.): Kluge Köpfe - Beredte Bilder. Gelehrtenbildnisse aus 450 Jahren Universitätsgeschichte Jena, Köthen 2015, S. 9-12.
"Wertvoll. Objekte der Kunstvermittlung. Ein Lehrprojekt". In: Babett Forster (Hg.): Wertvoll. Objekte der Kunstvermittlung: Gipsabgüsse, Fotografien, Postkarten, Diapositive, Weimar 2015, S. 7-18.
"Serielle Materialität. IMI Knoebel und Peter Roehr". In: Babett Forster/Claudia Tittel (Hgg.): Serielle Materialität. Imi Knoebel und Peter Roehr, Jena 2013, S. 10-13.
 
Rezensionen
Stephan Berg / Gabriele Conrath-Scholl / Stefan Gronert: Mit anderen Augen. Das Porträt in der zeitgenössischen Fotografie, Köln: Snoeck 2016.

 

Hier finden Sie eine Übersicht meiner Vorträge, Workshops u.ä.
 
27.06.2016
Tagungszentrum Schloss Herrenhausen Hannover
Tagung Humboldt adé - Bologna, oh je? Lehre gestalten! Debatte zu Praxis und Bildungsverständnis von Studienreformprojekten
Workshop "Dinglichkeit. Objekte in der disziplinübergreifenden Hochschullehre"
(zusammen mit Kerrin Klinger und Michael Markert)
18.06.2016
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Festvortrag zum 5. Alumnitreffen der Medizinischen Fakultät Jena
"Ein besseres Gesicht". Jenaer Mediziner im Spiegel der Gelehrtenbildnisse
10.06.2016
Orangerie an der Karlsaue in Kassel
Schicht um Schicht. Die Bedeutung und Ästhetik der Oberfläche - Tagung der Fachgruppe Gemälde im VDR
Vortrag "Das Bildnis als Palimpsest. "Schicht um Schicht" am Beispiel von Gelehrtenportraits aus dem 16. Jahrhundert"
(zusammen mit Romy König-Weska)
03.06.2016
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Tagung Johann Mayor (1564-1654), Professor der Theologie, Superintendent und Kirchenpolitiker im 30jährigen Krieg
Vortrag "Johann Mayor im Bildnis"
06. - 07.11.2015
Haagse Hogeschool Delft
Interdisziplinäres Kolloquium (IDK) Wissenschaftskulturen im Vergleich.
Wissenschaftsästhetik: Erkenntnisprozesse zwischen Sinnlichkeit und Abstraktion

Vortrag "Was heißt ästhetische Bildung im Kunstgeschichtsstudium?" (zusammen mit Kerrin Klinger)
07. - 09.05.2015
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Workshop Die 'nicht mehr neuen' Medien. Herausforderungen für Universitätssammlungen (zusammen mit Kerrin Klinger)
08.05.2015
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Workshop Die 'nicht mehr neuen' Medien. Herausforderungen für Universitätssammlungen (zusammen mit Kerrin Klinger)
Vortrag "Verwahrt. Verstaubt. Veraltet? Die 'neue' Lehrmittelsammlung der Kustodie"
31.10. - 01.11.2014
Maison Heinrich Heine Paris
Interdisziplinäres Kolloquium (IDK) Wissenschaftskulturen im Vergleich. Didaktik zwischen Forschung und Lehre
Vortrag "Im Laboratorium der Objekte" (zusammen mit Kerrin Klinger)
29.11.2013
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Lange Nacht der Wissenschaften
Vortrag "Die Franco-Siebdrucke Daniel Richters: Verfremdete Portraits für eine Spanien fremd (?) gewordene Vergangenheit"
(zusammen mit Erik Hirsch)
20.08.2013
Angermuseum Erfurt
Vortrag "Der Erfurter Sammler Alfred Hess (1879-1931) und sein Umfeld"
20.11.2012
Galerie im Schlösschen Naumburg
Ausstellung "Von Naumburg bis zum Blauen Nil. Die Lepsius-Expedition nach Ägypten und Nubien" (15.09. - 25.11.2012)
Vortrag "Kalotypien aus Ägypten. Ein Fotosammler auf den Spuren von Richard Lepsius"